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  • Andreas Weimer

Resilienz

Resilienz ist keine angeborene Hornhaut


Resilienz, so der Fachbegriff für psychische Widerstandsfähigkeit, hilft uns, Herausforderungen und Schicksalsschläge zu überwinden und als Teil der eigenen menschlichen Weiterentwicklung zu betrachten. Es ist also eine Art ,,Immunsystem der Seele''.  Ein Zitat von Nietzsche lautet: "Was mich nicht umbringt, macht mich stärker", was auch schon den Kern der Thematik trifft. Doch die Bewältigung von Krisen gelingt nicht allen auf Anhieb, was auch verständlich ist. Worin liegt der Unterschied? Gibt es erfolgreiches Scheitern? Und solches das als erfolglos angesehen wird? Was sind die Wirkfaktoren einer immunisierten Seele?Die positive Psychologie postuliert hierbei, dass durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen die Widerstandsfähigkeit eines Individuums gestärkt wird.Thomas war sieben, als seiner Mutter das Sorgerecht entzogen wurde und er im Kinderheim landete. Er war zehn, als er sein erstes Auto klaute und schon mit zwölf, geriet er in die Drogenabhängigen. Therapeuten und Sozialpädagogen kümmerten sich und versuchten Thomas den rechten Weg zu weisen, doch ohne Erfolg. Und um Bill, dessen gewalttätiger und alkoholabhängiger Stiefvater mit einem Revolver auf ihn ansetzte und zum Glück daneben schoss, kümmern sich heute Leibwächter. Acht Jahre lang war er Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.


Doch warum schafft es der eine zum mächtigsten Mann der Welt, während der andere nie wieder in die Spur findet? Wieso verwirklicht der eine Mensch seine Träume trotz einer solchen Kindheit, während der andere keinen aus der Kriminalität herausfindet? Was hat Bill, was Thomas nicht hat? Und lässt sie sich diese Stärke irgendwie erlernen?Felix Maria Arnet, Experte für persönliches Wachstum und Bestsellerautor, berichtet in diesem Gastbeitrag über Fallstricke und Möglichkeiten mit dem Thema Scheitern um zu gehenMan spricht generell von Resilienz eines Systems, wenn es in der Lage ist, Störungen aufzunehmen und darauf so zu reagieren, dass zwar eine Veränderung eintritt, aber das System selbst dadurch nicht zerstört wird. Zum Beispiel die Regeneration eines Waldes nach einer Feuersbrunst oder die Autokorrektur von PC-Betriebssystemen. Einen wesentlichen Unterschied sehe ich allerdings in der Herstellbarkeit von Resilienz. In technischen Systemen oder auch in Ökosystemen können sie Resilienz, also hohe Fehlertoleranz oder nachhaltige Bewirtschaftung, durch Programmierung oder bestimmte Managementmethoden erreichen.Bei uns Menschen hingegen ist die Manipulation von Resilienz schwieriger. Es gibt Ansätze, sie zu trainieren, ebenso wie Theorien, dass diese genetisch bedingt sei. Beidem stehe ich skeptisch gegenüber. Was meiner Erfahrung nach aber funktioniert, ist durch <b>bewusste, rationale Entscheidungen</b> in Krisen, die eigene Situation aktiv so zu beeinflussen, dass die individuelle Widerstandskraft greifen und maximal wirken kann.Was sind diese Entscheidungen? Nun, die erste ist gleich eine, die Sie nicht gern treffen werden. Aber sie ist notwendig. Akzeptieren Sie, dass Sie allein sind</b>. Lassen Sie sich nicht vom Mitgefühl und den Aufmunterungsversuchen lieber und wohlmeinender Menschen in Ihrem Umfeld täuschen: keiner von denen wird Ihnen helfen können. Das liegt in der Natur der Sache. Freunde, Familie, Kollegen, Geschäftspartner – sie alle sind Partei. Sie sind von Ihrer Krise betroffen, sie leiden buchstäblich mit. Sie sind ebenso verunsichert und besorgt, ängstlich und abergläubisch wie Sie. „Wird schon nicht so schlimm kommen“, „Kopf hoch“, „Kommt Zeit, kommt Rat“, alle diese Sätze werden Sie von ihnen hören, aber gemeint sind damit weniger Sie als die kleinlauten Egos der Mitreisenden in Ihrer Schicksalsgemeinschaft.Akzeptieren Sie, dass Sie allein am Zug sind. Ich weiß, dass dieser Appell im krassen Gegensatz zu unserer angeblich so solidarischen Gesellschaft mit diversen sozialen Sicherungssystemen steht. Ich will diese auch nicht madig machen oder sie generell in Abrede stellen. Aber meine Erfahrung ist, dass durch die Tabuisierung des Scheiterns keine wirklich wirksame Hilfe gegeben ist, wenn es passiert. Die Sicherheit, in der wir uns wiegen lassen sie ist wie ein Placebo, Opium fürs Volk oder Brot und Spiele. Akzeptieren Sie, dass Sie allein am Hebel sind. Und zwar jetzt und gleich und immerzu! Das ist die zweite Entscheidung, die Sie treffen müssen, damit Ihre mentale und emotionale Widerstandskraft nicht überfordert wird: Rechtzeitig zu reagieren, wenn sich die Krise andeutet, beherzt wirksame Gegenmaßnahmen zu treffen. Schlagen Sie Sicherungshaken ein, sobald Sie merken, dass Sie auf unsicherem Terrain sind. Nicht erst, wenn Sie bereits im Rutschen sind. Dann ist es zu spät. Zum Beispiel: Warten Sie nicht, bis alles Geschirr zerschlagen ist oder Sie oder Ihr Partner oder beide, schon ein Gspusi haben. Gehen Sie zum Paartherapeuten, wenn Sie ein Paar sind, nicht wenn Sie keins mehr sind. Oder: Sprechen Sie mit Ihrem Chef, wenn Sie merken, dass Sie wie eine Kerze sind, die an beiden Enden brennt, weil das Arbeitspensum zu hoch und die Motivation durch Ihr Projekt zu niedrig ist – und nicht erst dann, wenn für jeden offensichtlich ist, dass sie ausgebrannt sind oder gar das Projekt an die Wand gefahren ist. Nehmen sie das Heft in die Hand. Bleiben Sie Herr der Lage und behalten Sie alles im Griff. Nicht nur erledigen Sie damit Ihre Probleme und verschaffen sich Luft. Sie generieren aus diesem souveränen Umgang mit der Krise auch Selbstvertrauen. Ein unschätzbares Gut, gerade wenn Sie unwegsames Gelände vor sich haben.Scheitern und der Weg danach ist enorm Kräfte raubend. Sie werden es an sich und Ihrem Körper spüren. Sie werden Ihre Situation so schwer nehmen, dass Sie tagelang nicht aus dem Bett kommen, Ihre Zeit mit Daddeln auf dem Computer verbringen oder vor der Glotze. Ich nenne das „Bademantel-Depression“. Dasselbe gilt für Suchtmittel: wie Alkohol oder Uppers und Downers, also Psychopharmaka. Lassen Sie diese gar nicht erst zu. Tun Sie, was für Ihr Selbstbewusstsein gut ist. Sie sind ein erfahrener Manager. ­Managen Sie jetzt Ihr größtes Projekt. Felix Maria Arnet, geboren in Wiesbaden, gründete mit 25 Jahren sein zweites Unternehmen, eine Werbeagentur, mit der er rasch Erfolg hatte. Seither hat er alle Höhen und Tiefen unternehmerischen Schaffens durchlebt: Nachdem die Agentur 2011 nach 18 Jahren in die Insolvenz ging, stand er beruflich wie privat vor dem Aus. Doch nach einer kurzen Phase der Lethargie gelang Arnet das Comeback, und er begründete nach mehreren fundierten Ausbildungen als systemischer Executive Coach mit der LATTAL Enterprise Gesellschaft für Unternehmensberatung seine neue Profession. 2015 wurde er dafür mit dem Change Award für die mutigste Veränderung ausgezeichnet.Heute ist er ein sehr gefragter Coach, Trainer und Vortragsredner. Seit mehr als 25 Jahren berät er börsennotierte Unternehmen, Mittelstand und Führungspersönlichkeiten in allen Fragen der Organisationsentwicklung. Mit inzwischen über 10.000 Beratungsstunden, und der Begleitung von mehr als 500 Führungskräften in nahezu allen Wirtschaftszweigen, lebt er seine Berufung.2014 bezeichnete das Handelsblatt Arnet als den „Wirkungsspezialisten“. Felix Arnet lebt und arbeitet in Wiesbaden und hat einen erwachsenen Sohneugung der Kontrolle über die eigene Situation und den damit verbundenen rationalen Entscheidungen. In der Persönlichkeitspsychologie ist die Kontrollüberzeugung der Grad, in dem die Menschen glauben, dass sie die Kontrolle über das Ergebnis der Ereignisse in ihrem Leben haben, im Gegensatz zu externen Kräften außerhalb ihrer Kontrolle.Individuen mit einer starken internalen Überzeugung glauben, dass Ereignisse in ihrem Leben in erster Linie von ihren eigenen Handlungen bestimmt werden: Zum Beispiel, wenn sie Prüfungsergebnisse erhalten, neigen Menschen mit einem internalen 'Locus of control' dazu, sich selbst und ihre Fähigkeiten zu loben oder zu tadeln. Menschen mit einem starken externalen 'Locus of control' neigen dazu, externe Faktoren wie den Lehrer oder die Prüfung zu loben oder zu beschuldigen. Diese Haltung erlaubt allerdings nicht aus den eigenen Fehlern zu lernen.Die bewusste Entscheidung und Verantwortungsübernahme, sind damit die wirklich wirkungsvollen Maßnahmen, die ins Besondere in Krisenzeiten, trainiert und zelebriert werden sollten. Die Kern-aussage ''alleine die Dinge Regeln'' bezieht sich hier auf die Eigenverantwortung und nicht auf einen egozentrischen Selbstüberschätzungstrieb. Soziale Untersützung, darf nicht vergessen und unterschätzt werden, da diese einerseits ein Schutzfaktor ist und anderseits als eine Ressource zum Ausgleich von Belastungen dient. Echte Empathie von nahe stehenden Menschen ist eine enorme KraftquelleMit freundlicher Unterstützung von Felix, verlosen wir drei Exemplare seines Buches das auf Amazon in den Bestsellercharts zu finden ist.


Beste Grüße

Andreas Weimer

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